In diesem Teil der Analyse gehe ich auf folgende Themen ein:
Merkmale des Powerspiels - Zusammenfassung
Ölmuster und Bahnenspiel
Das Ölmuster - soweit mir bekannt
Die Bälle / Layouts
Die gespielten Trassen
Anpassungen während des Spiels
Energie des Einschlags - Wo kommt das bei Ryan und Sean her?
Los geht's!
Merkmale des Powerspiels - Zusammenfassung
In den bisherigen Teilen der Analyse habe ich vermutlich alle Aspekte des Powerspiels erwähnt. Zusammenfassend hier die wichtigsten:
Die Ballgeschwindigkeit
Beide Spieler entwickeln mit Ihrem Spiel eine hohe Ballgeschwindigkeit. Diese wird vor Allem durch die hohe Ballhaltung bei der Aufstellung und von der Beinarbeit gefördert. Ryan nutzt sogar die volle Länge des Approachbereiches um mit dem Anlauf mehr Geschwindigkeit zu generieren.
Powerstep und Slidestep
Beide haben ein sehr athletisches Spiel. Beide haben eine "hängende Bowlingschulter" die es dem Ball ermöglicht unter dem Kopf zu schwingen. Beide haben einen hohen Backswing ermöglicht durch die Öffnung der Schultern. Dieser wird durch das "Beugen" und die dynamische Körperhaltung beim Powerstep weiter betont. Beide generieren mit dem beschriebenen Powerstep und dem sehr langen Slidestep eine ausgezeichnete Hebelwirkung.
Flat Spot - Der Bereich in dem die Abgabe passiert
Beide erzeugen mit dem Ablauf Ihrer Bewegungen im Powerstep und Slidestep gute Flat Spots. Der Flat Spot fängt da an, wo der Ball in seinem Vorwärtsschwung am "nicht Bowlingbein" vorbeigeht. Das ist der Bereich in dem die Spieler Rotation, Axis Rotation und Axis Tilt dem Ball vermitteln (zur Veranschaulichung bitte nochmal die Video's aus Teil 1 anschauen). ..............
Ölmuster und Bahnenspiel
Das Ölmuster beim diesjährigen Tournament of Champions ist ein Sportmustergewesen mit einer Länge von 39 ft. Das Sportmuster ist ein Ölmuster mit geringem Verhältniss zwischen der Aussen augetragenen und in der Mitte der Bahn aufgetragene Ölmenge. Details hierzu in meinem Post
Da, das Pattern Chart von dem Ölmuster nicht veröffentlicht wurde kann man das Ratio nur erahnen. Eins steht fest so schwierig wie das Ölmuster von der US Open (welches eine gleichmäßige Ölverteilung über Alle Leisten hatte) ist es nicht gewesen. Gemäß des Kommentars von Randy Pedersen in den Halbfinalspielen ist dieses Muster so gedacht, daß es verschiedene Spielwinkel zulässt.
Die Bälle
Kurze Erläuterung:
Beide Spieler sind Brunswick Staff und nutzen Brunswick Bälle. Sean spielt hier einen schwächeren Ball (im Vergleich) mit etwas mehr Länge. Das ermöglicht Ihm trotz seiner höheren Revrate das Pocket mit viel Winkel zu spielen. Ryan hingegen (wegen seiner deutlich höheren Geschwindigkeit) spielt einen etwas aggressiveren Ball mit einer kürzeren Länge.
Diese Erläuterungen werden auch durch die Wahl der Layouts unterstrichen. Während Sean ein "Pin-Up" Layout spielt benutzt der Ryan ein "Pin-Down" Layout. Über die Positionierung des Pins über (Pin-Up) oder unter (Pin-Down) kann man die Länge mit beeinflussen (Die Pin Positionierung kann ein aufmerksames Auge im Video bei der Aufstellung der beiden erkennen).
..und hier die Beweise...
Die gespielten Trassen
Einleitend erstmal ein paar Worte zu den Breakpoints. Gemäß der Theorie wird der Breakpoint errechnet in dem man von der Ölmuster-Länge 31 abzieht. In diesem Fall wäre das Ergebnis 8. Was bedeutet, daß der Ball seinen Breakpoint auf Leiste 8 hat. Da wir hier aber über ein "televised final" reden und in der Halle wegen der vielen Lichter die Temperatur etwas höher ist wie sonst gibt es "kleine" Abweichungen.
Ryan - Frame 1
an der Foul Linie
an den Pfeilen
der Breakpoint
Also, Ryan spielt folgende Linie:
- Laydown Punkt an der Foul line ist ca Leiste 13 (Fuß ist auf 20)
- An den Arrows im Bereich 7-9
- Breakpoint im Bereich 4-5
Sean - Frame 1
an der Foul Linie
an den Pfeilen
der Breakpoint
Sean spielt folgende Linie:
- Laydown Punkt an der Foul line ist ca Leiste 32 (Fuß ist ca 39)
- An den Arrows im Bereich 23
- Breakpoint im Bereich 4-5 (identisch wie bei Ryan.. leider nicht gut im Bild zu erkennen)
Anpassungen während des Spiels
Während des Spiels haben die beiden komplett verschieden Anpassungsstrategien angewandt. Sean ist mit seiner kompletten Linie noch weiter nach links gewandert (inside). In der selben Zeit ist Ryan (ist erstmal mein subjektiver Eindruck da nicht eindeutig mit dem Bildmaterial nachzuweisen) auch nach links gewandert, was aber für seinen Bereich dann Outside wäre.
Und nun die Belege soweit mit dem Bildmaterial möglich...
Ryan - Frame 9
Sean - Frame 9/10
Energie des Einschlags - Wo kommt das bei Ryan und Sean her?
Beide Spieler entwickeln über Ihre Spielweise sehr viel Energie. Diese wird sauber an den Ball übertragen und führt zu fast "explosionsartige" Einschläge bei den Pins. Pin Carry ist bei beiden sehr gut. Und dennoch gibt es meiner Meinung nach Unterschiede.
Ryan wirft sein Ball mit einer sehr hohen Geschwindigkeit. Das ist aus meiner Sicht der Hauptfaktor für den Einschlag.
Bei Sean ist es so, daß er zwar auch eine gut Geschwindigkeit hat zu der aber zusätzlich bringt er eine sehr hohe Revrate und durch sein sehr kraftvolles Release auch eine wesentlich höhere Axis Rotation auf den Ball. Das ermöglicht Ihm auch diese Trasse mit dem viel höheren Winkel zu spielen.
.... So das war es... mit der Analyse der Finale...
Zum Abschluss noch hier das komplette Video zur 2012 TOC Finale
Ryan und Sean vs USBC Timing Referenz (Quelle USBC Coaching Manual)
"the timing spot" - die Theorie von Mark Baker
Der Anlauf
die Aufstellung (Stance)
Ballstart, Position und Handstellung
der Pushaway oder in diesem Fall auch "Dropaway"
die Schlüsselschritte (Crossover Step, Powerstep und Slidestep)
was macht die "nicht Bowlingarm/Hand"
Powerschwung, Schultern und Oberkörper
"Ballhaltung" - Handpositionen im Vergleich
Der Kopf und die Augen
Lasst uns starten!
Timing - Ryan und Sean vs USBC Timing Referenz (Quelle USBC Coaching Manual)
Anmerkung: Ryan hat einen 5 Step -Approach. Da in dem USBC Manual der 4 Step erläutert wird habe ich mir erlaubt zum Vergleich den ersten Schritt von Ryan zu ignorieren.
Theoretisch passiert ausser dem Schritt selber nicht viel beim ersten Schritt in einem 5 Schritt - Anlauf..
Im nächsten Bild wie gesagt die Gegenüberstellung:
Erst einmal ein wenig wirken lassen.....
OK! Und jetzt ein paar Erläuterungen:
Die USBC hat für das Coaching von Timing die Referenzpunkte 0-0, 1-1, 2-2, 3-3 und 4-4 definiert. Diese sind wie bereits erwähnt die Punkte die für einen 4-Schritte Anlauf relevant werden. Die Zahlen bezihen sich auf die Relation zwischen Ballposition und Schritt/Bein.
Was fällt Euch auf?
Also mir fällt erst mal auf, daß Ryan und Sean erstmal bis mindestens zum Powerstep (der 3.te Schritt) verschiedenes Timing haben. In diesem Vergleich ist Ryan immer mit der Ballposition "schneller" wie Sean.
Bevor ich nun zur Theorie von Mark Baker übergehe erst einmal eine Anmerkung. Mit ein Grund warum Ryan schneller ist könnte auch die Lokation der Aufstellung sein. Vorneweg erstmal eine subjektive Einschätzung von mir. Ohne es jetzt mit CATS Daten belegen zu können meine ich, daß der Ryan eine höhere Ballgeschwindigkeit als Sean entwickelt. Im Gegenzug meine ich auch, daß Sean mehr Umdrehungen auf den Ball bringt. Diese Bemerkungen sind im nächsten Teil der Analyse relevant in dem ich vorhabe das Ölmuster und das Bahnen Spiel der beiden zu analysieren....
.....
Mark Baker ist einer der gefragtesten und vermutlich auch einer wenn nicht DER erfolgreichste Bowling coach in der PBA. Mark trainiert Spieler wie Chris Barnes, Mika Koivuniemi, Tommy Jones, Jason Couch und viele andere. In seinem neuen Buch " The Game Changer: A simple system for improving your bowling scores" (welches ich gerade studiere und JEDEM der weiterkommen will ruhig empfehlen kann) hat er unter anderem die Theorie des "timing slots" entwickelt. Nachdem er tausende von Video's mit PBA Spielern studiert hat ist ihm aufgefallen, daß obwohl viele der Spieler verschiedenes Timing haben es einen Moment im Anlauf gibt wo absolut alle (mit sehr wenigen Ausnahmen) gleich synchronisiert sind - "The timing slot".
Der Timing Slot ist der Moment in dem im sliding step die Sohle des sliding Schuh's komplett flach auf dem Boden und der Bowling arm auf seinem Weg von hinten nach vorne die Stelle erreicht hat an der der Arm parallel zum Boden ist. Mark ist auch ein Vertreter der Theorie, daß wenn man jemandem helfen will man nicht sein komplettes Spiel umändern muss. Es gibt ein paar wichtige Aspekte die er in seinem Buch erwähnt an denen er einen Spieler "einstellt". Im Bereich Timing ist das "The Timing Slot".
Aber wie sieht der Timing Slot bei Sean und Ryan aus?
"The Timing Slot" - Ryan vs Sean
Wichtig bei den Beiden zu beobachten ist für mich der Oberkörper und die Position des "nicht Bowlingarms". Während Ryan die Schultern nach der Öffnung schon parallel zur Linie gebracht hat ist Sean hier noch in sehr "offener" Stellung.
... und nun zum Anlauf...
Die Aufstellung - The Stance:
Was fällt Euch auf?
Keiner von den beiden hat die klassische USBC Stance Position!!!!
Beide haben weder den sogenannten 15 Grad Spine Tilt (Oberkörper leicht nach vorne gebeugt) noch die Knie so angewinkelt. Das nächste Thema ist Ballposition und Haltung(Handposition).
Beide halten den Ball hoch (Merkmal für höhere Geschwindigkeit). Bei beiden meine ich bemerkt zu haben, daß die Handgelenkposition bis zur Abgabe so behalten wird. Beide fixieren Ihr Ziel von jetzt an bis nach der Abgabe (könnt Ihr im Video nachprüfen). Ab diesem Zeitpunkt versuchen auch Beide den Kopf so ruhig wie möglich wärend des gesamten Anlaufes zu halten. Bei beiden wird das Gewicht des Balles wird auf beide Hände verteilt
Der Pushaway - oder in diesem Fall auch Dropaway:
Im nächsten Bild zur besseren Veranschaulichung habe ich zusätzlich auch den ersten Ihrer 5 Schritte mit eingebaut.
Während in diesem Fall Ryan einen "Pushaway"macht (Bewegung in dem der Ball nach vorne geführt wird) benutzt der Sean ein "Dropaway" (Bewegung in der der Ball nicht nach vorne geschoben wird sondern vielmehr wird er in einer Bewegung bei der der Arm ausgestreckt wird fallen gelassen). Ebenso ist hier wieder das unterschiedliche Timing zu erkennen. Die Hand des "nicht Bowlingarm's" ist während dieser Zeit noch am Ball.
Die Schlüsselschritte (Crossover Step, Powerstep und Slidestep)
Hier Der komplette Anlauf von Ryan mit Kommentaren.
Teil 2 der Analyse endet erstmal so....
Im dritten Teil möchte ich nochmal die Merkmale des Powerspiels zusammenfassen um mich dann des Themas Ölmuster und Bahnenspiel/Strategie der Beiden widmen.
Am Sonntag wurde die Finale des 2012 Tournament of Champions zwischen den zwei Powerplayern Sean Rash und Ryan Ciminelli ausgetragen. Beide verkörpern mit Ihrem Spiel die neue, moderne Spielweise.
Besonders an diesem Finale war es, daß ein Rechtshänder (Sean Rash) mit einem Linkshänder gespielt haben. Das bedeutet, daß sie verschieden Bereiche der Bahn gespielt haben und sich somit nicht in die Quere kamen.
Es gibt verschieden Aspekte die ich bei diesem Spiel und bei diesen Spielern analysieren wollte, also habe ich angefangen.
Im ersten Teil hier eine Gegenüberstellung von Abgabe (Release) und Abschlußposition.
Für eine bessere Veranschaulichung habe ich mir erlaubt den Sean für diesen Vergleich zu spiegeln und somit zum Linkshänder zu machen.
Im zweiten Bild sieht man eine Sache die für mich überraschend war. Sean fängt die Drehung der Finger in der Abgabe (verglichen mit Ryan) extrem spät an. Die Video's dazu hänge ich unten an damit ihr das besser verfolgen könnt.
Bitte schaut beim nächsten Bild auf die Handpositionen der beiden bei der Abgabe. Sean ist auch hier mit den Fingern mittig hinter dem Ball während Ryan schon an der Seite ist. Ebenso wichtig ist, dass beide bei der Position den Ball unter dem Kopf innen haben. Das schafft viel Raum für die Starke Abgabe.
Leider geben es die Bilder im Video wegen den Aufnahmewinkel nicht so her, aber eins ist sicher. Der Ball wandert bei beiden sowohl beim Rückwärts wie auch beim Vorwärtsschwung immer unter dem Kopf.
Im nächsten Bild kann man bei beiden die ideale Finishposition sehen, da schenken Sie sich nichts.
Der 45 Grad Winkel ist bei beiden ziemlich genau zu erkennen. Hier muss vielleicht auch das Thema Follow-through erwähnt werden. Typisch für Powerplayer ist, dass die Hand innen am Kopf vorbei schwingt.
Auf den Video's könnt Ihr besonders darauf achten wann die Beiden mit der Drehung der Finger bei der Abgabe anfangen.
Ryan Ciminelli
Sean Rash
Quelle: Youtube & pbachannel - Bilder und Video's wurden aus dem Title Match Video extrachiert und bearbeitet.
Fragen soweit?
Sobald ich wieder ein wenig Zeit finde werde ich mit der Analyse fortfahren.
eine Studie zum Thema Pre-shot Routine mit Elite Golfer
Die Pre-shot Routine - Was die Pro's sagen
Anfangen möchte ich mit einem USBC Video mit Diandra Asbaty, Derek Eoff und Ken Yokobosky.
Carolyn Dorin-Ballard
Chris Barnes & Kim Terrel-Kearney
Die Studie zum Thema Pre-Shot Routine:
Joe Slowinski USBC Gold Coach machte mich vor kurzem auf diesen Artikel aufmerksam.
Der Artikel hat den Titel "The Experience of Preshot Routines among Professional Golfers: An Existential Phenomenological Investigation".
Ziel der Studie war es das Phänomen der Pre-Shot Routine unter den Elite Professional Golf Spieler zu verstehen. Hierzu wurden 8 Profi's interviewed. Die Kernfrage hierbei war "Was ist das erlebte Gefühl der Elite Golfer wenn sie ihre Pre-shot Routine anwenden.
Den Artikel (in englischer Sprache) findet Ihr hier:
Heute habe ich ein exzellentes Beispiel gefunden wie das Alles umgesetzt aussieht. Die PBA hat unter XtraFrame ein Video veröffentlicht in dem es um die Qualifikation für die letzten 2 Plätze für die letzten 36 beim diesjährigen Tournament of Champions ging. Zwischen den 4 Spielern die um die 2 Plätze kämpften auch Kelly Kullick die Gewinnerin von 2010 und Mika Koivuniemi der Gewinner des Wettbewerbs von letztem Jahr.
Bitte achtet in dem Video vor Allem auf Mika. Schaut besonders auf folgendes:
wie er mit den Spares umgeht
wie er mit dem Druck umgeht wo Alle anderen eine Serie von Strike's hinlegen und er noch nicht zu seinem Strike gekommen ist
wie er mit Ablenkungen umgeht (wie er den Anlauf abbricht um sich neu zu fokussieren)
wie seine Pre-Shot Routine aussieht
Probiert zu erkennen wie er welche Themen des mentalen Spiels anwendet.
Für mich ist Mika Koivuniemi einer der stärksten mentalen Spieler weltweit.
Wegen des Video's entschuldige ich mich!!! Ist von Youtube wegen GEMA Rechte für Deutschland herausgenommen worden. Zum Zeitpunkt wo ich den Post publiziert habe hatte es noch funktioniert. Ich hoffe trotzdem das dieses Video bald wieder freigegeben wird.